In Deutschland erinnert man sich mit schrecken an den 16. August 1988. An dem Tag startete das „Gladbecker Geiseldrama“ und im Laufe dessen starben drei Menschen. In der späteren Aufrollung des Falls spielte die Presse eine besondere Rolle. Gab man doch den beiden Geiselnehmern eine Plattform für ihre wirren Gedanken.

Seit diesem Tag geht die Presse deutlich anders mit Geiselnehmern um. In Österreich sieht man das scheinbar anders. Bei dem gestrigen Bankraub mit anschließender Geiselnahme lies sich ein Reporter der Zeitung Österreich (ja, der Name ist auch der Name des Landes) zu einem Telefonat mit dem Gangster hinreißen. Das Protokoll (ein Dank an das pcx Forum für die „Übersetzung“) liest sich wie folgt (Video auf der Seite der Österreich (mittlerweile gelöscht, Youtube Mirror unten)):

Journalist: Ich wollte mit dem Herren sprechen der, der, äh der dort mit ein paar Leuten drinnen sitzt äh äh äh mit wem hab ich die Ehre?
X: Mitarbeiter der BAWAG.
Journalist: Verstehe. Das heißt Sie sind Geisel?
X: Ja.
Journalist: Was passiert jetzt gerade?
X: Wer sind sie bitte?
Journalist: Mein Name ist Hagyo von der Tageszeitung Österreich.
X: Nein bitte jetzt nicht, danke.
Journalist: Könnte ich bitte den Herren der Sie bedrängt sprechen?
X: Von wem sind Sie bitte?
Journalist: Österreich.
X: Ich verbinde sie.
Journalist: Danke sehr.

*Dudelmusik please hold the line*

Journalist: Ja guten Tag Hagyo. Hallo hallo?
Geiselnehmer: Hallo?
Journalist: Ja Hallo mein Name ist Hagyo…
Geiselnehmer: Hallo? Wer sind sie?
Journalist: Mein Name ist Hagyo von der Tageszeitung Österreich.
Geiselnehmer: Und was sind Sie für ein Landsmann?
Journalist: Ein Österreicher.
Geiselnehmer: Hagyo ist doch kein Landsmann.
Journalist: Doch doch. Glauben Sie mir.
Geiselnehmer: Ok. Und, weiter?
Journalist: Ich wollte fragen: Wie geht es Ihnen so?
Geiselnehmer: Wie geht es Ihnen?
Journalist: Mir geht es ausgezeichnet.
Geiselnehmer: Na sehen Sie.
Journalist: Aber, ich meine, das ist ja jetzt nicht die Frage, ich meine, ich habe gehört Ihnen sind Zigaretten geliefert worden.
Geiselnehmer: Was wurde mir geliefert?
Journalist: Zigaretten.
Geiselnehmer: Nein, wir haben keine Zigaretten.
Journalist: Sie haben keine Zigaretten bekommen?
Geiselnehmer: Nein, das war – sind Sie von der Kronenzeitung (Anm.: Hauptkonkurrent der Tageszeitung Österreich)
Journalist: Nein, von Österreich.
Geiselnehmer: Österreich. Pass auf einmal. Jetzt sag ich Dir einmal eines, Märchenprinz. Ich hab weder Zigaretten bekommen noch sonst etwas. Und später dann, werden wir noch einmal anrufen, dass wir endlich einmal aufs Klo gehen können. Weil das Klo ist abgesperrt.
Journalist: Wirklich. Und wieso ist es abgesperrt?
Geiselnehmer: Na weil es zu ist. Was heißt wieso ist es abgesperrt?
Journalist: Ist das normal dort?
Geiselnehmer: Ist das normal? (*wird ungehalten, sagt etwas mir unverstänliches*)
Journalist: Ja, ja, ja
Geiselnehmer: Pass auf einmal, ich kenne Dich nicht, wie heißt Du? Hodi, Hodi…? Warte einmal, willst Du eine geisel sprechen?
Journalist: Nein, nein. Ich wollte fragen wie es weitergehen wird. Wie schaut es denn aus?
Geiselnehmer: Was heißt wie es weitergeht? Woher haben Sie die Nummer überhaupt?
Journalist: Aus dem Telefonbuch.
Geiselnehmer: Das gibt es nicht.
Journalist: Sicher.
Geiselnehmer: Was heißt sicher? Wie redest Du mit mir? Was heißt sicher, das heißt ja.
Journalist: Ja.
Geiselnehmer lacht, sagt etwas unverständliches und legt auf.
Journalist: Hallo?

Man glaubt es kaum. Der Geiselnehmer ist, wenn man sich das Interview anhört, sehr aufgebracht und der Redakteur hat am Ende nicht einmal ein Story aber sicherlich die Geiseln in Gefahr gebracht.

Aber damit nicht genug! In einem APA Interview sagt Wolfgang Fellner, der Herausgeber dieser Zeitung, dass der Geiselnehmer kurz nach dem Telefonat mit der Zeitung aufgegeben hat – „Es wäre also besser, wenn man sich bei uns bedanken würde“. Scheinbar glaubt man, dass man mit dieser hervorragende Taktik den Täter zur Strecke gebracht hat. Ob dass der Herr Fellner wirklich glaubt?

Um den besonderen Humor unserer Nachbarn zu unterstreichen. Als der Banküberfall noch „lief“ dachten Nachbarn der Bank etwas ganz besonderes aus. Sie hatten Boxen ans Fenster gestellt, aus denen laut der alte EAV-Hit „Ba, Ba, Banküberfall“ schallte.

Ich würde an dieser Stelle gerne wissen was der Bankräuber dachte?