Wife of Second Life

Dieses Comic trifft es zu 100%. Eigentlich muss ich dazu nicht viel schreiben – aber irgendwie muss es sein. Erst im Dezember durfte ich, unter anderem auch wegen World of Warcraft, zu einer Beerdigung. Es fing bei einem Clan-Freund erst mit World of Warcraft an. Eigentlich sorgte er immer dafür, dass wir mit einer großen Gruppe gemeinsam ins Kino gehen. Er sorgte für Karten und kümmerte sich um den ganzen Spaß. Dann wurde die Zeit knapper. World of Warcraft rief – das scheinbar sogar sehr laut. Die Zeit verstrich, man sah sich seltener. Zu unserem Weihnachtsessen kam er auch. Er war mittlerweile arbeitslos, eine Folge von World of Warcraft? Das hatte sicherlich Mitschuld. Aber er kam froh rüber, besser als sonst. Kurz zuvor erfuhren wir, dass sein Rechner defekt war und World of Warcraft war zur Zeit also nur noch bei einem Freund von ihm möglich. Wir hatten uns abends noch fröhlich getrennt und er wollte einige Tage später bei der Pokerrunde mitmachen. Eigentlich dachte keiner zu diesem Zeitpunkt, dass er den „Point of no Return“ schon überschritten hatte. Drei Tage später wurde er morgens aufgehangen gefunden – Selbstmord. Warum ich das Schreibe? World of Warcraft ist bestimmt (ich spiele solche Spiele ja nicht) ein nettes Spiel. Aber es sorgte für eine soziale Isolation. Besonders schwerwiegend war bei Marco, dass er sich nicht helfen lassen wollte. Die Flucht in die virtuelle Realität ist eben einfacher.

SecondLife und World of Warcraft haben eines gemeinsam: egal wie die reale Welt gerade aussieht – die binäre bietet mir meine eigene schöne Scheinwelt. Harz IV, Arbeitslosigkeit, Überschuldung? Egal, ich habe entweder ein ultra rares Item oder meine binäre Traumhütte. Die Flucht in diese Scheinwelt ist einfach. Nur DSL, Strom und ein Rechner werden benötigt. Besonders der Hype rund um SecondLife macht mir Angst. Durch Spiegel und Stern Artikel, einer enormen Medienpräsenz und der Blog-Sphäre werden noch mehr Leute zu diesen Spielen getrieben. Sind die Spiele denn Gefährlich? Diese alleine sind sicherlich alles andere als Gefährlich. Spielen aber die „Falschen“ diese Spiele, dann steigern sich diese vielleicht zu sehr in das Spiel hinein.

Wie gesagt: das sind Spiele und nicht das wirkliche Leben!

Ich kann nur hoffen, dass die Boomphase bald vorbei ist. Vielleicht wird es mal wieder hip mit seinen Freunden den Nachmittag auf dem Bolzplatz zu verbringen.